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Katar – Teil 2

Sand im Schuh

Von Tim Southwell

"Ich arbeite seit 30 Jahren im Golf-Business, aber so etwas habe ich noch nirgends gesehen", kommentiert Mike Braidwood, der seit 2017 als General Manager des Clubs fungiert, sein Reich. "Alles, was die modernste Golftrainingslehre zu bieten hat, gibt es hier unter einem Dach. Da in Katar noch nicht viele Golfer über wirkliches Weltklasse-Niveau verfügen, zielen wir mit unserem Angebot auf Nationalmannschaften aus aller Welt." Doch nicht nur Spitzenspieler können von diesem Schlaraffenland profitieren. "Es ist offensichtlich, wie sehr die Technik dabei hilft, auch Golfanfänger schnell zu guten Spielern zu machen. Ich sehe das täglich an unseren einheimischen Mitgliedern, die bis vor Kurzem noch nie einen Golfschläger in der Hand gehalten hatten. Dank unseres Hightech-Trainings purzeln die Handicaps geradezu."

Auch das Thema Frauengolf liegt Mike spürbar am Herzen: "Aus kulturellen Gründen haben Frauen in Katar keinen Sport betrieben. Doch das ändert sich seit einigen Jahren und Golf trägt einen Teil dazu bei. Wir arbeiten mit Catriona Matthew und der Women&Golf-Abteilung des R&A zusammen, indem wir in die Unternehmen hier in Doha gehen und Frauen aktiv dazu ermuntern, bei uns das Golfspielen zu lernen. Es ist eine riesige Freude zu sehen, wie viel Spaß sie am Golf entwickeln."

Katar: Treppenwitz: Gibt's hier keinen Lifta?
Treppenwitz: Gibt's hier keinen Lifta?

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Das Dutzend Pro V1 im Pro-Shop verewigt sich mit einem Einschlag von beinahe 100 Euro auf der Kreditkartenabrechnung.
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DER RUBEL UND DIE BÄLLE ROLLEN


Die Versuche, Katar zu einer Sportnation zu machen, sind allgegenwärtig und sogar auf dem Kalender sichtbar, denn in Katar als einzigem Land der Erde gibt es den National Sports Day als offiziellen Feiertag. Und so sind am zweiten Dienstag im Februar Unternehmen angehalten, ihre Angestellten zur körperlichen Ertüchtigung von der Arbeit freizustellen.

Frei von Kontroversen ist der Staat am Golf vor allem im Hinblick auf die nahende Fußballweltmeisterschaft beileibe nicht. Vorwürfe von Zwangsarbeit auf den Stadionbaustellen lassen nicht nur die anstehende Großveranstaltung in einem fragwürdigen Licht erscheinen, auch die Universitäten, die sich in der Education City angesiedelt haben, darunter so renommierte Einrichtungen wie die amerikanische Northwestern oder Carnegie Mellon, sehen sich immer mehr der Kritik ausgesetzt, in einem Land ansässig zu sein, das mit staatlich unterstütztem Terrorismus in Verbindung gebracht wird und über eine gut dokumentierte Historie von Menschenrechtsverletzungen verfügt.

Doch ich bin hier, um die Golfanlagen des Landes zu begutachten, und an meinem letzten Tag steht mit dem Doha Golf Club der erste Grasplatz des Landes sowie frühere Austragungsort der Qatar Masters auf dem Programm.

Katar: Tee-Time: Eistee wäre bevorzugt (r.)Katar: Tee-Time: Eistee wäre bevorzugt (r.)
Tee-Time: Eistee wäre bevorzugt (r.)
Hatte ich vorhin behauptet, dass in Katar weit und breit kein Drink zu finden wäre? Das war etwas voreilig, denn an Hotelbars ist Schluss mit der Prohibition - und auch im Doha Golf Club, wo es fast den Anschein hat, dass Alkoholgenuss erforderlich ist für den Einlass. Das dürfte einer der Gründe sein, warum das Clubhaus jeden Freitag- und Samstagabend zum pulsierenden Knotenpunkt für das soziale Leben Dohas mutiert. Die erste Möglichkeit nach Tagen, eine beendete Runde mit einem kühlen Bier zu feiern, lasse ich mir natürlich nicht entgehen, ganz egal ob dieses kleine Blonde mit satten 14 Euro zu Buche schlägt.

Der von Peter Harradine designte Golfplatz ist ein wahres Schmuckstück und mit seinen 6.800 Metern viele Jahre einer der längsten auf der European Tour. Acht kleine Seen warten sehnsüchtig auf fehlgeleitete Golfbälle, 65 aus Arizona importierte Kakteen säumen die Fairways und zahlreiche imposante Felsformationen prägen die Anlage. Die enorme Skyline Dohas flankiert beinahe das gesamte Clubgelände und dann sind da natürlich die surreal anmutenden Luftaufnahmen im Clubhaus: ein grüner Fleck inmitten einer endlosen Wüste. Das Dutzend Pro V1 im Pro-Shop verewigt sich mit einem Einschlag von beinahe 100 Euro auf der Kreditkartenabrechnung. Der einzige Wermutstropfen während dieser Runde waren die mittelmäßigen Grüns, deren Zustand mit einer Gesetzesänderung zu erklären ist, die den Club zwingt, Wasser von der naheliegenden Kläranlage zu verwenden, dessen Salzgehalt dem Gras auf dem Platz überhaupt nicht schmeckt. Vor der Eröffnung des ECGC war der Doha Golf Club die einzige Möglichkeit des Landes, ernsthaftes Golf auf Gras zu spielen. Den Platz für eine Renovierung der Grüns zu schließen war also keine Option. In einer solchen Situation hilft es allerdings, über praktisch unlimitierte finanzielle Mittel zu verfügen, und so wird im Doha GC gerade eine clubeigene Wasseraufbereitungsanlage aus dem Boden gestampft, die des Salzproblems Herr werden sollte.

Katar: Welche Ironie: wenn zu viel Wasser in der Wüste Ärger macht
Welche Ironie: wenn zu viel Wasser in der Wüste Ärger macht
Golf hat sich seit den 40er-Jahren in Katar langsam, aber stetig entwickelt. Ganz sicher werden in den kommenden Jahren weitere fancy Golf-Resorts in der Wüste entstehen, doch wer hierherkommt, um die Schläger zu schwingen, sollte die Wurzeln des Sports an diesem Ort auf Sand und Öl nicht links liegen lassen. Es ist eine echte Erfahrung.

Es wird viel getan, um Katar zu einer echten Golf-Destination zu machen, nicht zuletzt um all die Hotels und Resorts zu füllen, die nach der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr auf neue Gäste angewiesen sein werden. Mit staubigen Wüsten-Fairways bis hin zu perfekt manikürten grünen Teppichen ist für genügend Spielflächen gesorgt, auch ohne Ronaldo.

 

Golfplätze in der Region

EDUCATION CITY GOLF CLUB

EDUCATION CITY GOLF CLUB

18 Löcher, Par 72, 7.111 Meter

Adresse
Education City
Doha, Katar
Tel. +974 7773.7973
www.ecgolf.com

Greenfee
ca. 95-190 Euro (je nach Saison)

Herzstück des 2018 eröffneten, ultramodernen 33-Loch-Golfkomplexes ist der von José María Olazábal entworfene Championship Course, der sich die gesamte Golfsaison über in perfektem Zustand präsentiert. Riesige Bunker mit schneeweißem Granitsand bilden einen deutlichen Kontrast zum gelblichen Wüstensand, der abseits der üppigen Rough-Flächen auf verzogene Bälle lauert. Der Par-3-Platz des ECGC sollte nicht übersehen werden, bietet er doch einige der besten Grüns der gesamten Anlage.

Killerloch
Neben dem dramatischen Schlussloch entlang eines gigantischen Sees ist Bahn Nummer 12, ein Par 3, das gute 150 Meter carry über Wasser erfordert, das Highlight des Platzes. Der Schlag ins Grün ist jedoch erst die halbe Miete, denn wer hier das falsche Plateau trifft, hat den Bogey-Train bestiegen.
www.ecgolf.com

DUKHAN GOLF CLUB

DUKHAN GOLF CLUB

18 Löcher, Par 72, 6.446 Meter

Adresse
Al-Rayya St.
Dukhan Township, Katar
Tel. +974 471.6163

Greenfee
ca. 40 Euro

Der älteste Golfclub Katars ist mit nichts zu vergleichen, was man als Europäer in heimischen Gefilden bisher erlebt durfte. Schatten sowie Gras sind auf dem gesamten Golfplatz nicht zu finden, weshalb man sich bei der Wahl der Startzeit in jedem Fall an den Rat der Locals halten sollte, denn in mörderischer Wüstenhitze kann eine Runde hier schnell zum Überlebenstraining werden.

Killerloch
Es gilt, eine lange staubige Treppe zu erklimmen, bevor man von der 18. Teebox einen Drive in das weit unten liegende Tal, an dessen Ende das Clubhaus mit Erfrischungen wartet, prügeln kann. Allein schon deshalb ist dieses 370 Meter lange Par 3 ein echtes Highlight.

DOHA GOLF CLUB

DOHA GOLF CLUB

18 Löcher, Par 72, 6.800 Meter

Adresse
West Bay
Doha, Katar
Tel. +974 4496.0715
www.dohagolfclub.com

Greenfee
ca. 90-240 Euro (je nach Saison)

Der 1997 von Peter Harradine designte Championship Course des Doha Golf Club ist immer noch einer der besten Plätze am Persischen Golf. Die Fairways fallen an einigen Stellen überraschend eng aus, aber Bälle hier auch abseits der Spielbahn wiederzufinden ist selten ein Problem. Doch das Beste am Doha Golf Club ist ohne Zweifel, dass in der "Oasis Bar" im Clubhaus Alkohol ausgeschenkt wird, was in allen anderen Clubhäusern des Landes undenkbar wäre.

Killerloch
Nachdem der Abschlag auf dem 388 Meter langen Loch sechs das Fairway getroffen hat, gibt das leichte Dogleg einen grandiosen Blick auf die Skyline von Doha frei. Besonders im Abendlicht wirken die Wolkenkratzer wie eine Fata Morgana.

DOHA GOLF CLUB

MESAIEED GOLF CLUB

18 Löcher, Par 72, 5.868 Meter

Adresse
Mesaieed City Road
Mesaieed, Katar
Tel. +974 014.4833

Greenfee
ca. 45 Euro

Katars zweiter Wüstenplatz unterscheidet sich durch Wasserhindernisse von seinem älteren Bruder in Dukhan. Diese sind zwar mehr graue Pfützen inmitten eines Sandmeers, doch sie zählen als Hindernisse. Jedem Golfer wird vor der Runde eine kleine grüne Kunstrasenmatte verkauft, von der, sollte der Ball das Fairway treffen, gespielt werden darf. Nach der Runde lädt ein überraschend großer Pool im Clubhaus dazu ein, die Sandkruste wieder loszuwerden.

Killerloch
Auf Loch Nummer 12 (Par 5) erinnert eine kleine blaue Plakette an den geschichtsträchtigen Tag im Januar 1978, als ein gewisser Herr Brooks hier den längsten Drive der Golfgeschichte schlug. Wahrheit oder Beduinenlatein aus "1001 Nacht"? Schwer zu sagen…

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